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Das Aufblasen der Kugelfische Drucken

Die bekannteste Verhaltensweise der Kugel- und Igelfische ist das sogenannte "Aufblasen". Dabei wird der Fisch kugelrund.

Kugelfische können Luft und Wasser schlucken, je nach dem, ob sie sich unter oder über der Wasseroberfläche befinden.

aufgeblasener Kugelfisch

aufgeblasener Kugelfisch

Bildquelle: Wikipedia

Ist der Fisch so aufgeblasen, finden Angreifer keinen Halt mit ihren Zähnen an seinem Körper. So kann er sich sogar in Felsspalten fest klemmen. Eine zusätzliche Verteidigung beim Aufblasen sind kleine Stacheln, die sich aufrichten und den Fisch so noch „unhandlicher“ machen. Diese Kombination aus Aufblasen und Stacheln ist einzigartig. Es gibt zwar andere Lebewesen, die Stacheln aufrichten können oder auch über Aufblähmechanismen verfügen, aber beides und dann noch im Zusammenspiel gibt es nur bei Kugelfischen (abgesehen von den nahe verwandten Igelfischen).

Kugelfische besitzen eine starke Muskulatur, die das Aufblasen erst ermöglicht. Diese reicht vom ersten Kiemenstrahl bis in die untere Mundhöhle. Bläst der Fisch sich auf, hebt er Teile des Zungenbogens nach oben, verschließt somit den Rachen und drückt das Wasser in mehreren Schüben in den Magen. Dies kann man sich wie eine Art Pumpe vorstellen. Das Wasser gelangt nun in eine Ausstülpung des Magens und diese erweitert sich. Im Normalzustand ist diese Erweiterung stark gefaltet und dehnt sich nur bei Bedarf aus. Die beiden Magenausgänge werden durch Muskeln verschlossen und verhindern somit ein Entweichen des Mediums. Aufgrund dieser Veränderung des Magens, kann dieser die Funktion der Verdauung nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Vermutlich hat er sogar seine Verdauungsfunktion gänzlich verloren und dient bei der Nahrungsaufnahme nur noch als temporärer Lagerort.

Im aufgeblähtem Zustand erreichen die Fische ein Volumen von über 300% des Normalfalles. Ein nur 20 Zentimeter langer Kugelfisch kann z. B. einen Liter Wasser aufnehmen. Das Magenvolumen vergrößert sich sogar auf das 50 – 100-fache, aufgrund des geringen Volumens im Normalzustand.
Auch die Haut der Kugelfische weist Besonderheiten auf, die eine starke Oberflächenvergrößerung erlauben. Sie besteht aus drei Schichten, wobei die beiden inneren Schichten „Mikrofalten“ haben. Bläst sich der Fisch nun auf, entfalten sich diese beiden Schichten und die Epidermis (die äußerste Schicht) wird straff und fixiert die Stacheln.

Erleichtert wird das Aufblasen auch durch das Fehlen der Rippen- und Beckenknochen und durch die sehr biegsame Wirbelsäule. Beim Aufblasen werden die inneren Organe und die Wirbelsäule an den Rücken gedrängt. Spezielle „Leerräume“ im Körper werden dabei ausgefüllt.

Ein vollständig aufgeblasener Kugelfisch ist allerdings nicht mehr in der Lage zu schwimmen und muss erst wieder seinen Mageninhalt heraus lassen um zu fliehen.

Ist die Gefahr vorüber, entlässt der Fisch seinen Mageninhalt aus dem Maul heraus und schrumpft wieder auf seine ursprüngliche Größe. Dabei können Geräusche entstehen, indem die Zahnplatten aufeinander schlagen. Das Entlassen des Mediums lässt sich in zwei Phasen gliedern. Zuerst erschlaffen die Muskeln und das Wasser strömt von alleine aus dem Maul heraus. In der zweiten Phase wird die gleiche Muskulatur wie zum Aufblasen benutzt, allerdings in umgekehrter Richtung. So wird der Mageninhalt heraus gesaugt, dabei krümmt sich der Kugelfisch. Hat der Kugelfisch kurze Zeit vor dem Aufblasen etwas gefressen, können Teile der Nahrung mit dem Wasser herauskommen.

Die Prozedur des Aufblasens ist allerdings auch eine Gefahr für den Kugelfisch. Über der Wasseroberfläche bläst er sich mit Luft auf und ist er zu geschwächt die Luft wieder loszuwerden, treibt er an der Wasseroberflächen und vertrocknet im schlimmsten Fall.

Das Aufblasen ist ein sehr wirkungsvoller Fressschutz. Die meisten Gegner lassen sofort von dem Kugelfisch ab, wenn dieser sich aufgeblasen hat. Wird ein Kugelfisch dennoch einmal von einem Feind verschluckt, kann er sich in dessen Hals oder Maul aufblasen und der Feind erstickt an ihm. Es gibt sogar Berichte, dass Haie gestorben sind, da sie Kugelfische verschluckt haben und sich diese in ihrem Hals aufgeblasen haben.

Die Fähigkeit des „Aufblasens“ entstand vermutlich dadurch, dass Kugelfische aufgrund ihrer langsamen Schwimmweise ihren Feinden (mehr oder weniger) schutzlos ausgeliefert waren und so eine wirkungsvolle Verteidigung benötigten. Viele Kugelfischverwandte und auch die Kugelfische selbst können einen Wasserstrahl aus dem Mund spucken, z. B. um vergrabene Beute freizulegen. Diese Fähigkeit könnte ein erster Schritt gewesen sein, auf von dem aus sich der Aufblähmechanismus entwickelte.

Kugelfische benutzen die Fähigkeit des Aufblasens nicht nur bei akuter Lebensgefahr. Manchmal scheinen sie das Aufblasen zu üben. Auch bei der Paarung einiger Arten spielt das Aufblasen eine Rolle. Bei der Balz kann man immer wieder ein (teilweises) Aufblasen beider Partner beobachten.Begegnen sich zwei Kugelfische, zeigen sie oft auch dieses Verhalten. Sie blasen sich auf und scheinen so ihre Größe und Stärke zu demonstrieren.

 

Literatur

  • Brainerd, Elizabeth L. (1994): Pufferfish Inflation: Functional Morphology of Postcranial Structures in Diodon holocanthus (Tetraodontiformes). In: Journal of Morphology 220:243–261.
  • Wainwright, Peter C. et al. (1995): Functional Morphology of Pufferfish Inflation: Mechanism of the Buccal Pump. In: Copeia 1995(3):614–625.

 

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Donnerstag, den 24. September 2009 um 14:00 Uhr
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