Startseite / Der Kugelfisch / Schwimmweise
Die Schwimmweise der Kugelfische Drucken

Kugelfische unterscheiden sich in ihrer Fortbewegung stark von den meisten anderen Fischen. Sie sind langsame Schwimmer, dafür aber sehr manövrierfähig.

Die meisten Fische schwimmen, indem sie die Schwanzflosse wellenförmig hin und her bewegen. Sie schlängeln sich also durch das Wasser. Durch die zwei Brustflossen, auch Paarflossen genannt, steuern sie die Richtung oder führen kleinere Ortsbewegungen durch. Die Intensität der Bewegung der Schwanzflosse ist für die Geschwindigkeit verantwortlich. Die Rücken, Bauch und Afterflossen haben so gut wie keinen Einfluss auf die Vorwärtsbewegung und dienen meist nur der Stabilisierung. 

Kugelfische gehen fast genau andersherum vor. Gewöhnlicherweise holen sie ihren Vortrieb aus der Rücken–, der After– und den beiden Brustflossen, indem sie diese gleichzeitig und kontrolliert einsetzen. Bauchflossen sind keine vorhanden.

Die Rücken– und die Afterflosse werden wellenförmig zu beiden Seiten hin und her bewegt. Diese Bewegung erfolgt stets simultan, d. h. dass beide Flossen immer zur gleichen Zeit auf der gleichen Seite sind.
Die Bewegung der Brustflossen besteht aus einer komplexen Auf- und Abbewegung. Dabei werden zusätzlich die Flossenstrahlen der Brustflossen wellenförmig ausgelenkt. Diese beiden Flossen befinden sich im gleichen Takt, sind jedoch entgegen gerichtet. Wenn die rechte Brustflosse ganz ausgelenkt ist, ist die linke Brustflosse ganz angelegt und umgekehrt.

Die Frequenz der After– und Rückenflosse entspricht genau der Frequenz der Brustflossen. Die Auslenkung der Flossen ist unabhängig von der Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit wird also nur durch die Frequenz bestimmt.

Durch diese Synchronisierung der Flossen liegt der Körper beim Schwimmen erstaunlich stabil im Wasser und kommt nicht ins Schlingern.

Beim normalen Schwimmen ist der Körper um 0 – 10° gegen die Horizontale geneigt, wobei der Kopf nach oben und die Schwanzflosse nach unten weist. Die Geschwindigkeit hat hierbei kaum Einfluss auf die Neigung.

Interessanterweise können Kugelfische die Rücken– und die Afterflosse nicht einfalten. Die Flossenstrahlen dieser Flossen können nur seitwärts bewegt werden. Die Muskeln zum Auf und Zusammenklappen fehlen bei Kugelfischen. Die Schwanzflosse kann jedoch je nach Bedarf auf und zugeklappt werden.

Die an die Flossenstrahlen anschließenden Sehnen sind bei Kugelfischen deutlich länger als bei vielen anderen Fischen. Dadurch liegen die Muskeln weiter entfernt von den Flossen und es steht mehr Platz zur Verfügung. Daraus bietet sich der Vorteil einer komplexeren Steuerung der einzelnen Flossenstrahlen und damit der ganzen Fortbewegung.

Aufgrund dieser Art des Fortbewegens, das man auch „Gondoliereschwimmen“ nennt, sind Kugelfische sehr manövrierfähig. Sie können in jede erdenkliche Richtung, auf, ab und sogar ohne Probleme rückwärts schwimmen. Auch ein sich auf der Stelle Drehen ist möglich. Vermutlich ist das eine Anpassung an das Leben in Riffen. So kann z. B. Beute in Spalten und von allen Seiten ausgiebig betrachtet werden bevor zugeschlagen wird. Das geht allerdings zu Lasten der Geschwindigkeit.

Die Art der Fortbewegung in Verbindung mit der Körperforum hat bei Kugelfische noch einen weiteren Vorteil: Die Verwirbelungen im Wasser, die ein vorbeischwimmender Kugelfisch hinterlässt sind nur sehr schwach und verblassen schon deutlich früher als bei anderen Fischen. So haben es Raubfische schwer einen Kugelfisch anhand der Strömungsspur mit dem Seitenlinienorgan zu Verfolgen. Für einen etwa 4cm (SL) langen Colomesus psittacus wurden die Spuren experimentell ermittelt. Im Vergleich zu anderen Testkandidaten hinterließ er nur eine Strömungsspur, nicht wie andere Fische mehrere, die bereits nach etwa 30 Sekunden kaum mehr nachweisbar war.

Nur in akuter Gefahr, d. h. wenn Kugelfische sich in ihrem Leben bedroht fühlen oder sich erschrecken, kann es vorkommen, dass sie ein paar mal kräftig mit der Schwanzflosse ausschlagen. So erreichen sie für kurze Zeit eine erstaunlich hohe Geschwindigkeit. Das Problem dabei ist aber, dass sie so nicht mehr die Richtung steuern können und unkontrolliert „umherschießen“ und sich dabei auch verletzen können. Außerdem ist diese Fortbewegung sehr kräftezehrend und schon nach kurzer Zeit werden sie erschöpft langsamer.

 

Literatur

  • Gordon, M. S. et al. (1996): How puffers (Teleostei: Tetraodontidae) swim. In: Journal of Fish Biology 49:319–328.
  • Hanke, Wolf & Bleckmann Horst (2004): The hydrodynamic trails of Lepomis gibbosus (Centrarchidae), Colomesus psittacus (Tetraodontidae) and Thysochromis ansorgii (Cichlidae) investigated with scanning particle image velocimetry. In: The Journal of Experimental Biology 207:1585–1596.
  • Plaut, Itai & Chen, Tanar (2003): How small puffers (Teleostei: Tetraodontidae) swim. In: Ichthyological Research 50:149–153.
  • Schneider, Hans (1964): Untersuchungen zur Schwimmweise der Kugelfische. In: Zeitschrift für Morphologie und Ökologie der Tiere 54(4):414–435. 

 

[Zurück zu: „Das Aufblasen der Kugelfische"]

[Weiter zu: „Das Verhalten der Kugelfische"]

 

Donnerstag, den 24. September 2009 um 14:00 Uhr
  [nach oben]