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Historisches über Kugelfische Drucken

Die erste bekannte Erwähnung von Kugelfischen gab es vor ca. 4700 Jahren in Ägypten. Im Grab des Pharao Ti findet sich ein Gemälde des Riesenkugelfisches Arothron stellatus. Schon die Ägypter wussten damals von der Giftigkeit dieses Fisches und gaben ihm die Namen „spt“ und „shepet“, die übersetzt giftig bedeuten.

In 2000 Jahre alten chinesischen Medizinbüchern gibt es Berichte über Vergiftungen durch den Verzehr von Kugelfischen. Anscheinend galt er damals auch schon als Delikatesse. In Japan, wo heutzutage der Genuss von Fugu weit verbreitet ist, gibt es die ersten Hinweise auf Kugelfische in Gräbern aus der Yamato-Zeit, also vor etwa 1500 Jahren. In den Gräbern fanden Forscher Grätenreste und schlossen daraus, dass schon seit dieser Zeit Kugelfische in Japan sehr geschätzt werden. Die ersten schriftlichen Beschreibungen sind erstaunlicherweise aber gerade einmal 400 Jahre alt.

Schon seit dem Mittelalter werden getrocknete und aufgeblasene Kugelfische bzw. Igelfische, durch Algen geschmückt, im Mittelmeerraum als Raumschmuck verwendet und an Touristen verkauft.

1555 beschreibt Guliemus Gondolet mehrere Arten mit den dazugehörigen Skizzen in seinem Fischbuch. Doch der Autor zweifelt an der Existenz dieser Fische und hält manche davon sogar für Phantasietiere. Darüber hinaus stellte er sich die Frage, ob diese Fische nur aus einem Bauch oder einem Kopf bestehen und riet deshalb von ihrem Verzehr ab.

Ein weiteres geschichtliches Zeugnis stammt von 1774, als der Seefahrer James Cook fast an einer Kugelfischvergiftung starb. Der Kapitän ging bei seiner zweiten großen Entdeckungsreise in Neukaledonien vor Anker und bekam von den Eingeborenen einen ihm unbekannten Fisch geschenkt, den er sich und seiner Mannschaft ahnungslos zubereiten ließ. Heute weiß man, dass es sich bei dem Fisch um einen Lagocephalus sceleratus handelte. Cook und seine Crew bekamen die Anzeichen einer Kugelfischvergiftung, doch sie überlebten, vermutlich weil sie nur von dem Fisch kosteten und ihn nicht vollständig verzehrten. Das einzige Opfer des Kugelfisches wurde ein Schwein an Bord, welches die Reste fraß.

Im Laufe der Einordnung der Pflanzen und Tiere in ein einheitliches System, beschäftige sich auch Carl Nilsson Linnaeus (später als Carl von Linné bekannt)  auch mit Kugelfischen. 1758 beschrieb er gleich mehrere Arten und gab ihnen eindeutige Namen, gemäß der binären Nomenklatur: Arothron hispidus, Lagocephalus lagocephalus lagocephalus, Sphoeroides testudineus, Takifugu ocellatus und Tetraodon lineatus. Ursprünglich ordnete er all diese der Gattung Tetraodon zu, im Laufe der Jahre wurden sie aber von verschiedenen Wissenschaftlern in unterschiedliche Gattungen getrennt.

Im 19. Jahrhundert schrieb Alfred E. Brehm in seinem berühmten Tierbuch über Kugelfische. Er erkannte sie als eigene Familie, als sog. Kröpfer (Tetrodon), an und nannte sie als oft gekaufte Souvenirs zu dieser Zeit. Er nahm fälschlicherweise an, dass sie sich bei Gefahr an die Wasseroberfläche begeben und absichtlich Luft aufnehmen. Brehm ordnete die Kugelfische als sechste Ordnung ein und unterteilte diese in drei Familien; Kugelfische (Gymnodontes), Kofferfische (Ostracioidae) und Hornfische (Sclerodermi). Die Gymnodontes unterteilte er weiter in die Doppelzähner (Diodon), Kröpfer (Tetrodon) und Mondfische (Orthagoriscus).

Anfang des 20. Jahrhunderts nannte Regan die Ordnung der Kugelfische in Haftkiefer (Plectognathi) um.

Auch in der heutigen Zeit werden immer noch mehr oder weniger regelmäßig neue Kugelfischarten entdeckt. So wurden alleine seit 1995 10 neue Arten entdeckt; Carinotetraodon salivator 1995; Sphoeroides rosenblatti und S. lispus, jeweils 1996; Tetraodon abei 1998 ; Carinotetraodon imitator u. C. irrubesco 1999; Monotrete turgidus 2000 und 2002 Canthigaster figueiredoi, C. jamestyleri und C. supramacula. Aus diesem Verlauf heraus ist es gut möglich, dass es noch einige weitere bis jetzt unbekannte Arten gibt.

1993 wurde der Kugelfisch Takifugu rubripes (Fugu rubripes) als Modellorganismus ausgewählt um sein Genom zu entschlüsseln und damit das menschliche Genom besser zu verstehen. Er war das erste Wirbeltier, nach dem Menschen, dessen Erbgut vollständig sequenziert wurde. Sein Genom besteht aus gerade einmal 400 Megabasen, was nur einem Achtel des menschlichen Genoms entspricht. Durch Vergleiche der beiden Genome wurden beim Menschen etwa 1000 neue Gene entdeckt.

 

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Donnerstag, den 24. September 2009 um 14:00 Uhr
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